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Spätsommerliche Geschichten und Träumereien für Kinder

Die Sommerferien neigen sich bei uns schon dem Ende zu, in mancher Gegend sind sie überhaupt schon vorbei. Wie gut, dass es Bücher gibt, die den Sommer einfangen, in denen immer noch Ferien sind. Ich habe hier ein paar spätsommerliche, teils magische Geschichten zusammengesucht – für alle, die sich die warmen, unbeschwerten Ferientage zurückwünschen oder einfach nur gerne träumen.

„Tausend schöne Dinge“ von Johannes Stankowski, Katrin Stangl und Heike Herold (Pänz Verlag, 22 S., 1 CD, ab 1) // Herrlich lockere, flockige Sommerlieder, die Kinder einfach nur lieben, singt der Kölner Liedermacher Johannes Stankowski. Sie heißen „In unserm Garten“, „Schnitzeljagd“, „Sommer am Meer“ oder „Bei Till in Frankreich“. Und das Allerbeste an diesen Songs: Auch Erwachsene können sie eine Zeitlang in Endlosschleife anhören, ohne genervt zu sein. Sommerstimmung pur. Wir lieben diese Musik, Stankowskis Texte und die wundervollen Illustrationen von Katrin Stangl und Heike Herold im Pappbilder(text)buch, das ist für mich die Entdeckung des Jahres.

© Stankowski/Stangl/Herold: Tausend schöne Dinge. Pänz 2019. // Blexbolex: Unsere Ferien: Jacoby & Stuart 2018.

„Unsere Ferien“ von Blexbolex (Jacoby & Sutart, 132 S., ab 5) // Ganz ohne Worte kommt dieses erzählende Comic-Bilderbuch aus, und man sollte schon bei der Sache sein, wenn man die Geschichte nachvollziehen möchte. Das Buch ist schwere Kost, und Erwachsene sollten es gemeinsam mit Kindern anschauen. Ein Mädchen verbringt die Ferien bei seinem Opa, und der hat einen Dickhäuter als Spielgefährten angeschafft. Für das Mädchen ist es gar nicht so einfach, den Opa zu teilen, außerdem macht der Elefant alles kaputt. Am liebsten wäre es ihm, wenn das Tier wieder gehen müsste. Das sind recht starke Gefühle mit heftigen Reaktionen – in ausdrucksvollen Illustrationen, die sich zwischen Realität und Traum bewegen.

„Bobo in den Bergen“ von Markus Osterwalder, gesprochen von Katrin Gerken (Jumbo, 1 CD, ab 2) // Meine Kinder lieben Bobo Siebenschläfer. Die Geschichten sind für ganz kleine Kinder langsam und verständlich erzählt, sie spiegeln den kindlichen Alltag wider, und der liebe Bobo schläft am Schluss der Handlung immer und immer wieder ein. Die Lieder, die zwischendurch gespielt werden, sind gar nicht einfältig, aber durchaus einprägsam. Diesmal verbringt Bobo seine Ferien in den Bergen. Er füttert Kühe, badet im Gebirgsbach, spielt auf der Alm mit den Ziegen und schläft auf Opas Schultern ein. Wie schon angedeutet: ein Dauerbrenner.

© Fiedler: Wenn du deine Augen schließt. Kunstanstifter 2020. // Futscher/Schöbitz: Gute Reise, Eierspeise! Picus 2020. // Lindgren/Thore: Ferien auf Saltkrokan. Ein Kaninchen für Pelle. Oetinger 2020.

„Wenn du deine Augen schließt“ von Amrei Fiedler (Kunstanstifter, 32 S.) // Die Augen schließen, tagträumen, sich an einen anderen Ort denken – das war für mich schon als Kind eine kleine Flucht aus dem Alltag. Das Gefühl von Ferien inmitten der Schulzeit oder von Freiheit und Natur inmitten meines Zimmers in der Stadt. Die wundervolle Hamburger Illustratorin Amrei Fiedler hat sich diesem Gefühl gewidmet. „Wenn du deine Augen schließt, kannst du alles sehen, was du willst!“ In pastelligen Farben zeigt sie uns andere Perspektiven: die der Großeltern oder jene eines Katers, der am Teich lauert. Oder die einer Möwe, wenn sie über die Stadt fliegt. Ein buntes, prachtvolles Bilderbuch, das sich auch für die Gutenachtgeschichte eignet.

© Fiedler: Wenn du deine Augen schließt. Kunstanstifter 2020.

„Gute Reise, Eierspeise!“ von Christian Futscher und Raffaela Schöbitz (Picus, 48 S., ab 4) // Christian Futscher experimentiert in seinen herrlich lockeren Gedichten derart gekonnt mit den Facetten von Sprache, dass selbst die 4jährige vergnügt lächelt, wenn wir den Band in einem durchlesen. Auch die bildschönen, pastellig zarten Illustrationen von Raffaela Schöbitz gefallen den Kindern sehr. Uns begegnen unter anderem ein mit Farben verschönertes Auto, ein Kirschenkuchen mit Kernen, ein Dinosaurier vor dem Fenster und ein beim Kartenspielen schwindelnder Opa. Ein wirklich stimmiges Buch mit einem Hauch von Sommer.

© Futscher/Schöbitz: Gute Reise, Eierspeise! Picus 2020.

„Ferien auf Saltkrokan. Ein Kaninchen für Pelle“ von Astrid Lindgren und Maria Nilsson Thore (Oetinger, 48 S., ab 4) // Die Sommerferien verbringt Pelle für gewöhnlich gemeinsam mit seiner Familie auf der kleinen Schäreninsel Saltkrokan. Dort wohnt auch die schlagfertige Tjorven und ihr Hund Bootsmann, mit denen Pelle gerne herumtollt und die Freiheit in der Natur genießt – ohne Erwachsene natürlich. So gern hätte Pelle auch ein Haustier! Als er von den Kaninchen hört, die ein Bauer auf einer Nachbarinsel verkauft, und Tjorven auch noch Geld für Milch und Eis in ihrer Tasche hat, kann das große Abenteuer der beiden Kinder beginnen. Sommeridylle pur!

© Lindgren/Thore: Ferien auf Saltkrokan. Ein Kaninchen für Pelle. Oetinger 2020.
© Raidt: Limonade im Kirschbaum. Gerstenberg 2020. // Gardner: Mr Tiger, Betsy und das magische Wunscheis. dtv 2020.

„Limonade im Kirschbaum“ von Gerda Raidt (Gerstenberg, 144 S., ab 8) // Otto teilt sein Schicksal mit vielen Kindern, deren Eltern ein Wochenendhaus am Land haben: Er muss erleben, wie sich die Erwachsenen eine Landidylle vorgaukeln, während er gelangweilt in seinem Zimmer sitzt, um Hörspiele zu hören. Die Eltern hätten ihn gern anders, mäkeln an ihm herum, hätten gern ein abenteuerlustigeres Kind – ein Widerspruch, denn sie trauen dem Einzelkind nichts zu, kritisieren auch alles und alle außerhalb ihres Gartenzauns. Beim Baumhausbau verletzt sich Papa, die Eltern müssen ins Krankenhaus. Ottos Chance, die Umgebung zu erkunden, ist gekommen. Und der Junge nützt sie. Eine der besten, einfühlsamsten Sommergeschichten für Kinder, die ich je gelesen habe.

© Raidt: Limonade im Kirschbaum. Gerstenberg 2020. // Gardner: Mr Tiger, Betsy und das magische Wunscheis. dtv 2020.

„Mr Tiger, Betsy und das magische Wunscheis“ von Sally Gardner und Nick Maland (dtv Reihe Hanser, 192 S., ab 8) // Betsy K. Glory hat lila Haare, leuchtend grüne Augen, rosige Wangen und ein niedliches, sommersprossiges Geischt. Ihre Mama ist Meerjungfrau, ihr Papa besitzt das Café Glory, das für seine höchst wundersamen Eiscremesorten berühmt ist. Und dann kommt Mr Tiger mit dem Zirkus auf Betsys Heimatinsel und bringt eine Aufgabe mit: Die verzauberte Prinzessin Albee soll gerettet werden, dafür müssten aber die seltenen Gongalongbeeren bei blauem Mond gepflückt und Wunscheis daraus gemacht werden. Doch dort, wo diese Beeren wachsen, soll eine herrschsüchtige Riesin regieren. Was für eine grandiose Ausgangssituation für eine fantastische, traumhafte Geschichte wie diese! Sie ist nichts für ungeübte Leser, für Buchliebhaber aber eine perfekte Gelegenheit, den eigenen Wortschatz zu erweitern.

© Bargum/Louhi: Die Wichtlinger. dtv 2020. // Lindberg: Bork, der Bäumling. Baumhaus 2020.

„Die Wichtlinger“ von Johan Bargum und Kristiina Louhi (dtv Reihe Hanser, 120 S., ab 8) // Auf einer entlegenen, einsamen Insel weit draußen im Meer liegen irgendwo fünf Steine im Kreis, in den Hütten daneben schlummern fünf kleine Wesen, nämlich Wichtlinger. Sie leben ein ruhiges, ungestörtes Leben, obwohl sie schon überlegen, ob es außer ihrer Insel noch etwas anderes geben könnte. Und plötzlich wird die Idylle durch Kleinigkeiten gestört: zuerst fehlt eine Haarschleife, dann eine Angel, beide tauchen aber wieder auf. Später wird ein seltsames Ding gefunden – eine Hülle für einen großen Fuß, die uns als Gummistiefel bekannt ist –, und schließlich kommt auch noch ein kleines Wusel vorbei. Die Wichtlinger sind jetzt sicher: Es gibt da noch mehr als ihre Insel. Die Rahmenhandlung erklärt den Fiebertraum, der gleichzeitig eine wundersame, rätselhafte Geschichte des finnlandschwedischen Autors Johan Bargum ist.

© Bargum/Louhi: Die Wichtlinger. dtv 2020. // Lindberg: Bork, der Bäumling. Baumhaus 2020.

„Bork. Der Bäumling“ von Olle Lindberg und Daniela Kunkel (Baumhaus, 176 S., ab 7) // Nicht täglich trifft man im Wald auf seltsame Wesen, und als Maja Bäumling Bork begegnet, ist sie hin und weg. Er sieht fast aus wie ein normaler Junge, hat aber ziemlich große Füße und bringt interessante Fähigkeiten mit. Maja freundet sich sogleich mit Bork an und nimmt ihn mit in ihren Garten, wo er im Baumhaus wohnen soll. Lange kann sie das Männlein aber nicht vor ihrem Bruder und den Eltern geheim halten, und letztere sind nicht sonderlich begeistert über den merkwürdigen Mitbewohner. Ein kurzweiliges, sehr lesenswertes Buch über eine Freundschaft, die in den Sommerferien beginnt.

© Essig/Kehn: Da haben wir den Salat. dtv Reihe Hanser 2020. // Woltz: Kükensommer. dtv junior 2020.

„Da haben wir den Salat. In 80 Sprichwörtern um die Welt“ von Rolf-Bernhard Essig und Regina Kehn (dtv Reihe Hanser, 176 S., ab 11) // Im eigenen Garten zu sitzen und Sprichwörter aus aller Welt zu lesen kann das Reisen beinah ersetzen! Welche Geschichten verbergen sich hinter solch wunderlichen Redewendungen wie dieser finnischen: „Ich warte hier mit dem Bart im Briefkasten“? Wieso sagt man in Südafrika: „Der Klippschliefer ist schwanzlos, weil er andere schickte, den Schwanz zu bringen“? Und was bedeutet es, wenn man in Myanmar „Wegen eines Honigtropfens ging das Königreich verloren“ sagt? Rolf-Bernhard Essig erzählt sehr kurzweilig die schrägsten Geschichten aus 60 Ländern.

© Essig/Kehn: Da haben wir den Salat. dtv Reihe Hanser 2020. // Woltz: Kükensommer. dtv junior 2020.

„Kükensommer“ von Anna Woltz (dtv junior, 160 S., ab 8) // „Es kam nicht mehr darauf an, welchen Wochentag wir hatten und ob noch Juli oder schon August war. Unser Kalender richtete sich ganz nach Merle. Es war der 2. Tag oder der 7. Tag oder der 15. Tag – seit Merle angefangen hatte zu brüten. […] Die Küken würden am 21. Tag schlüpfen. Und dann würde ein neues Leben beginnen. Vielleicht ging auch die Welt unter, ganz egal.“ Eine Geschichte, die mich sehr an die Sommer meiner Kindheit erinnert. Als man sich vorsichtig an fremde Kinder herantastete, neue Freundschaften knüpfte, Geheimnisse vor Erwachsenen hatte, Abenteuer erlebte. Flora freut sich jedes Jahr auf die Sommerferien, denn dann kann sie ihrem Vater bei der Arbeit helfen, er ist Gärtner. In diesem Sommer läuft ihr zuerst ein Huhn zu, was Flora sehr begrüßt, dann muss sie sich aber mit der eingebildeten Evi und dem ordentlichen Nick arrangieren. Mit einem gemeinsamen Geheimnis, der Henne Merle, die Bruteier ausbrüten soll, wächst das gegenseitige Vertrauen. Eine erfrischend andere Sommergeschichte!

© Abidi: Hilfe, ein Spiegelbill. Hummelburg 2020.

„Hilfe, ein Spiegelbill“ von Heike Abidi (Hummelburg, 160 S., ab 8) // Das eigene Spiegelbild zu betrachten hat etwas Vertrautes und Seltsames zugleich. Und dann gibt es da dieses Spiegelbild, das plötzlich etwas anderes zeigt. Eine kleine Veränderung nämlich, die den entscheidenden Unterschied machen soll. Silas‘ Spiegelbild beginnt plötzlich zu sprechen und erklärt, es sei eigentlich ein kein Spiegelbild, sonder ein Spiegelbill, nämlich Salis. Und der schlägt vor, für einen Tag die Plätze zu tauschen. Für das Sommerferienprogramm, das Silas gerade widerwillig macht, bedeutet das, dass jemand plötzlich ganz anders auftritt: Salis ist im Gegensatz zu Silas nämlich selbstbewusst und schlagfertig. Ob das gut geht, wenn die beiden wieder zurücktauschen? Eine unterhaltsame Geschichte über den Mut, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen.

© Abidi: Hilfe, ein Spiegelbill. Hummelburg 2020.

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